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von NICOLA UTHMANN
Kölner Rundschau vom 26.9.2002
NIPPES. Beim "Kirchgang" zur Eröffnungsveranstaltung der Kulturkirche Köln erwartete niemand der 250 Besucher einen Gottesdienst. Zu Recht: Denn für einen Abend hatten die Veranstalter das Gebäude in ein Kulturhaus verwandelt. Schon die Raumgestaltung machte den Wandel von der Lutherkirche zur Kulturkirche deutlich. Die Bänke waren herausgetragen worden, eine große Leinwand für die Videoinstallationen stand vor dem Altar und an dem Kirchengewölbe entstanden durch Projektionen Muster, Bilder und Worte. Die Skulpturen von Odo Rumpf wurden zum Blickfang.
Den Menschen solle ein anderer Zugang zum Raum "Kirche" ermöglicht werden, wünscht sich Gemeindepfarrer Thomas Diederichs. Im Urlaub würden viele Menschen Kirchen besuchen, zu Hause dagegen kaum. Das solle sich ändern.
"Ich kann den Raum jetzt erst richtig erleben", meinte eine Zuhörerin zustimmend. Man werde aber nicht andächtig, nur weil man die Musik in einer Kirche höre, so Gunnar Kritschky, er hätte sich aber mal die Inschriften während des Konzerts angesehen und gemerkt: "Hey, das ist eine schöne Kirche." Er ist sich sicher, dass die Kulturkirche eine Möglichkeit sei, um als Institution Kirche wieder mehr an der Gesellschaft teilzunehmen.
Für Brigitta Knapp war es dagegen schon merkwürdig, die Kirche unter diesen Umständen zu betreten. Eine öffentliche Veranstaltung hätte etwas Entwürdigendes. Bei dem Konzert habe sie sogar gedacht: "Oh Gott, ist das jetzt richtig, dass ich hier bin?" Ihre Nachbarin Rita Bichler-Rölke lächelt da nur und sagt: "Ich finde das Klasse, Gott ist überall." Die Auseinandersetzung mit dem Thema "Kirche" machte auch vor den Künstlern nicht halt. Die Gruppe Basta hätte am liebsten nur romantische Lieder gesungen. Als sie aber am Samstag zur Kirche kamen und merkten, wie die Schäl Sick Brass Band den Leuten einheizte, wurde ihnen klar: "Die Leute wollen feiern."
Die meisten Besucher verließen das Eröffnungskonzert nach dem Auftritt von Basta. Die musikalische Performance von Alice Rose war nicht jedermanns Geschmack. Dabei war gerade zu dieser vorgerückten Stunde die Atmosphäre des Kirchenraums besonders ergreifend: Musik und Videoinstallation ergänzten sich beeindruckend.
Das neogotische Bauwerk in der Siebachstrasse wird sich nun regelmäßig ein Platz für Kulturveranstaltungen sein. Neben weiteren Konzerten (Gerd Köster und Frank Hocker) steht eine musikalische Nippes-Nacht und ein Brecht - Abend in den nächsten Monaten auf dem Programm. Nach einem Jahr soll dann Resümee gezogen werden.