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Ich denke nicht übers Alter nach

Auf ihrer aktuellen Tour bietet Katja Ebstein kein Konzert mit ihren Hits, sondern ein ausgewähltes vorweihnachtliches Programm: Mit der Sängerin und Schauspielerin sprach Norbert Ramme

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Frau Ebstein, ein Konzert ohne die alten Hits wie "Wunder gibt es immer wieder" und Co., geht das eigentlich?

EBSTEIN: Sie werden es kaum glauben. Das geht. Und sogar sehr gut. Meine Fans wollen nicht immer nur die größten Erfolge hören. Die liegen doch auch schon gut 30 Jahre zurück.

Die werden aber von den Fans immer noch gesungen.

EBSTEIN: Klar, wer dreimal beim Grand-Prix mitmacht, hat es geschafft. Das war auch mein Start ins internationale Geschäft. Aber meine Pop-Karriere dauerte doch nur vier oder fünf Jahre. Danach habe ich doch die verschiedensten Sachen gemacht, Jazz und Chanson, Theater und Musical, Film und Fernsehen.

Was geblieben ist, ist die Frisur - glatt, lang und rot. Sie sind keine typische 60-Jährige.

EBSTEIN: Ganz sicher nicht. Ich fühle mich auch nicht wie 60. Ich verkörpere ja eher einen zeitlosen Frauentyp. Und solange der Körper mir keine Signale sendet, gibt s auch keinen Gedanken an Ruhe, Rente oder Aufhören. Ich bin schließlich Künstlerin. Ich denke nicht übers Alter nach, sondern über Aufgaben.

Und da gibt es noch viel zu tun?

EBSTEIN: Ganz sicher. Ich habe mich ja mein ganzes Leben lang politisch, gesellschaftlich und sozial engagiert. Es gibt bei uns so viele Missstände und Ungerechtigkeiten. Da muss von allen etwas getan werden. Da hilft doch kein Jammern auf hohem Niveau.

Sie sind ja mit gutem Beispiel vorangegangen. Haben vor einem Jahr eine Stiftung gegründet, die sich um Kinder in Not kümmert.

EBSTEIN: Mein großer Wunsch ist, ein Haus zu schaffen, in dem arme Waisenkinder und alte Menschen zusammen wohnen können. Aber dafür brauche ich noch viele Sponsoren.

Vielleicht treffen Sie ja den einen oder anderen schon bei der aktuellen Tour. Mit dem Programm "Es fällt ein Stern vom Himmel" sind sie übermorgen auch in der Nippeser Kulturkirche. Was können Ihre Fans erwarten?

EBSTEIN: Sicher einen unterhaltsamen und besinnlichen Abend. Ich werde lesen, erzählen und singen. Texte von James Krüss und Heinrich Heine, von Loriot, Erich Kästner und Hans-Dieter Hüsch.

Gibts auch die klassischen Weihnachtslieder?

EBSTEIN: Nur meine beiden Lieblingslieder "Maria durch ein Dornwald ging" und der "kleine Trommlermann" - also definitiv kein Weihnachtsliederabsingen.

Kölner Stadtanzeiger vom 06.12.05

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