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Wolf Haas

Computer hilft plappern

17.03.2003 20:45 Uhr

Sein unkonventioneller Stil und seine turbulenten Plots bescherten dem 42-jährigen Wiener etwa den Deutschen Krimipreis. Aus seinem neuen Roman "Das ewige Leben" liest Wolf Haas bei der Lit.Cologne. Günter Keil sprach mit dem Autor.

Frage: Sie verstoßen gegen etliche Regeln der deutschen Sprache. Haben sich schon Lehrer bei Ihnen beschwert?

Haas: Es ist komischerweise umgekehrt: Meine Bücher werden oft im Unterricht verwendet. Bei Deutschlehrern gilt wohl als oberstes Prinzip, die Schüler zum Lesen zu bringen, egal wie. Das Kriterium "Popularität" siegt damit über "Horror vor kaputter Grammatik".

Frage: Auch nahezu alle Kritiker finden Gefallen an Ihren Romanen. Ist so viel Lob nicht unheimlich?

Haas: Es ist sehr verdächtig, denn in der Literatur sind ja nicht unbedingt die meistgelobten Bücher die besten. Und so mancher ist auch schon zu Tode gelobt worden. Andererseits muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich mich zwischendurch beim Schreiben immer wieder mal toll finde. Aber das sind nur wenige Sekunden, ein Absatz, von dem man hingerissen ist.

Frage: Wie entstand Ihr eigenwilliger Stil?

Haas: Durch meinen ersten Computer, denn damit fand eine Entkrampfung statt. Ich traute mich, einfach alles aufzuschreiben. Ohne Rücksicht auf Verluste. Mit Schreibmaschine wäre die Schreibsituation viel kontrollierter, da hätte ich diesen Plapper-Stil nie entwickeln können. Im Vordergrund steht für mich die Künstlichkeit einer Sprechweise, die natürlich tut. Diese perverse Mischung erzeugt die Spannung.

Frage: Steckt auch eine Lust zum Bruch der literarischen Konventionen dahinter?

Frage: Ihre Krimiserie um Detektiv Brenner endet mit "Das ewige Leben". Fürchten Sie Trauer und Wut der Fans?

Haas: Ich hoffe darauf! Sonst wüsste ich, dass ich zu spät aufgehört habe.

Lesung am 20.3. , 20 Uhr, Kulturkirche (Siebachstr. 85)

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